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khmer-Geschichtsstunde & Landausflug (06.11. - 08.11.2012)

Der erste richtige Tag im khmer-Projekt war geschichtlich geprägt. Wir besuchten das Foltergefängnis der Roten Khmer, S21 genannt, und anschließent die Killing Fields – eins der größten Massengräber der Welt.

Natürlich sind die ganzen Erinnerungen an diese schlimme Zeit schrecklich, aber ich war nicht so schokiert wie ich zuerst gedacht habe. Vielleicht lag es daran, dass ich mich vorher schon recht intensiv mit der Geschichte auseinander gesetzt habe, oder aber an der Tatsache, dass Ich durch die deutsche Geschichte schon genug grausame Dinge gesehen habe..
Wir verbrachten den größten Teil des Tages schweigend, obwohl die Killing Fields eher wie eine Art Garten angelegt ware. Man hätte fast vergessen, dass man sich an diesem schrecklichen Ort befindet, bis man wieder einen Blick auf den Boden geworfen hat und fast über einen Knochen gestolpert ist.
Die Knochen sind immernoch im Boden und kommen nach einem Regenschauer zum Vorschein, sie werden gesammelt und in einer Art Vitrine ausgestellt. Ziemlich gruselig das ganze..
Um die Stimmung am Nachmittag etwas aufzuheitern, fuhren Sython & Ich zum Russian Market. Leider war das der bisher ramschigste Markt auf dem Ich war und so machten wir uns nach 10 Minuten wieder auf den Weg zum Ausgang. Dort probierte ich meine erste khmer-Spezialität: Eine Art Waffel mit Kokosnusscreme und Orange. Das war super lecker, ich liebe ja sowieso alles mit Kokosnuss und habe das bestimmt nicht zum letzten Mal gegessen!


Am nächsten Tag machten wir den ersten größeren Ausflug zum "Pottery Village"- eine Art Künstlerdorf, wo die Dorfbewohner vom Töpfern und Reisanbau leben.

Dieses Dorf lag gute 3 Stunden mit dem Bus von Phnom Penh entfernt in der Kompong Chhnang Province.
Die Busfahrt war auch etwas ganz besonderes, weil ich mich gewundert habe, dass dieser Bus überhaupt noch fährt: Er machte unglaublich ungesund klingende Geräusche und die Klimaanlage tropfte übertrieben doll. Daran lies sich nichts ändern, da der Bus mehr als überfüllt war. Also machte ich mir am besten garkeine Gedanken um das Wasser, was sich in einem regelmäßigen Abstand auf meiner Hose & meinem Kopf verteilte. Immerhin trocknet hier alles super schnell :D

Ein weiteres Highlight dieser Bustour war die sich immer wiederholende Karaoke-Show im TV, welche nur aus 3 Liedern bestand. Die Menschen LIEBEN Karaoke hier, das ist echt der Wahnsinn.

Ich setze also meine Kopfhörer auf, hörte meine Musik (die mir dann doch etwas mehr das Gefühl von Heimat vermittelte) und bewunderte die wunderschöne Landschaft!

Als wir endlich in der "Kleinstadt" (nur mal so zum Vergleich: Bei uns wäre diese Kleinstadt ein Dorf, aber das ist nichts im Vergleich zu dem wirklichen Künstlerdorf, deswegen muss ich es für euch ja irgendwie unterscheidbar machen xD) angekommen sind gab es Mittagsessen in einem lokalen Restaurant.

Ich habe mich allerdings nur getraut Gemüse mit Reis zu bestellen.. Wenn das so weiter geht werde ich noch zur Vegetarierin hier xD

Danach fuhren wir ins Guest House und packten unsere Sachen aus.
Mein erster Gedanke, als ich mein Zimmer sah: " Ich will den europäischen Standard zurück!" xD

Die Toilette funktionierte nicht richtig, das Waschbecken hatte an der Oberseite ein Loch, die Dusche bestand aus einem neben das Waschbecken gebohrten Duschkopf und die Tür konnte man nicht zumachen.
Das war ein Abenteuer..
Ich hatte erstmal 2 Stunden Pause – ich habe hier STÄNDIG Pause.
Vor dem Essen 2 Stunden, nach dem Essen mindestens 1 Stunde, vor dem Abendessen wieder 2 Stunden und dann den ganzen Abend! Das macht einen verrückt, wenn man es gewöhnt ist den ganzen Tag nur unterwegs zu sein und beispielsweise von 12-20 Uhr zu arbeiten..
Nachdem ich die Zeit irgendwie totgeschlagen habe, ging es um 13 Uhr endlich mit dem Tuk Tuk auf das wirkliche Land hinaus: Auf unbefestigten Straßen, an wunderschönen Reisfeldern vorbei, bis wir schließlich an einem kleinen Bauernhaus anhielten.

Dort sollte mein Töpferkurs also stattfinden. Die Frau, welche mir das Töpfern zeigte war großartig! Das war schon fast Töpferkunst und für sowas hat sie grade mal bis zu 3$ pro Stück verlangt; Sython meinte, dass es sonst niemand kaufen würde.
Bei uns zu Hause würde man dafür bis zu 20 Euro ausgeben und hier wird einem das schon fast nachgeworfen. Ich bin immernoch ganz fassungslos xD

Nach einem kleinen Rundgang, sah ich Ihr erstmal bei der Arbeit zu, bis sie meine Hände nahm und ich mit ihrer Hilfe begann den Lehm zu formen.
Es machte super viel Spaß, vorallem weil mich alle Dorfbewohner angeguckt haben und die Damen alle kicherten und mir verstohlene Blicke zuwarten.
Sython übersetzte für mich und meinte, dass alle von meiner hellen Haut & den hellen Haaren so begeistert waren – eine Art Schönheitsideal für Kambodschanerinnen.
Das ist auch der Grund, wieso alle immer lange Hosen und Oberteile tragen, trotz 35 Grad. Ein paar ganz verrückte tragen sogar Wollhandschuhe und eine Gesichtsmaske, damit ihr Haut nicht braun wird..

Also war ich irgendwie der Zirkushund des ganzen Dorfes, aber niemand war aufdringlich oder unhöflich

Nach dem Töpfern erkundeten Sython & Ich das Dorf – per Fahhrad! Ich dachte ich höre nicht richtig.. Und wenn jetzt irgendjemand denkt, dass ich meine verlorene liebe zum Fahrradfahren jetzt wieder gefunden hätte, dann irrt sich diese Person aber ganz gewaltig, gell Mama?

Aber immerhin konnte ich so viele schöne Fotos machen und musste meine Kamera nicht aus einem rasenden Tuk Tuk raus halten.

Sython unterhielt sich noch mit allen möglichen Dorfbewohnern, wir begutachteten ihre Arbeit und besuchten die Grundschule.

Auf dem Rückweg konnte Sython an einem Straßenstand nicht vorbei fahren, ohne sich typische khmer-Nudeln zu kaufen.

Ich lehnte dankend ab. Der (un)hygienische Umgang mit Fleisch richtet in der Stadt ja schon bedenken aus, da wollte ich nicht ausprobieren, wie mein verwöhnter europäischer Magen auf das ungekühlte Essen im Dorf reagiert..
Sython meinte danach noch wie selbstverständlich zu mir, dass er früher den Reis sogar noch gegessen hat, wenn Ameisen sich dort schon eingelebt haben. Na dann guten Hunger!


Kurz darauf nahmen wir wieder ein Tuk Tuk Richting Guest House und ich hatte wieder eine Stunde Freizeit bis zum Abendessen.

Gegessen wurde wieder im gleichen Restaurant wie zum Lunch & ich aß genau das gleiche Gericht.
Mein kambodschanischer Begleiter ging schom um 20 Uhr ins Bett und ich verbrachte den rest des Abends alleine in meinem fleckigen Bett, las mein Buch oder hörte Musik.

Der nächste Tag brach an und wir (wie ihr euch vielleicht denken könnt) im selben Restaurant wie gestern unser "Frühstück".
Sython bestellte sich eine Nudelsuppe und ich bekam vegetarischen, scharfen Reis. Da ich so etwas nicht schon um 9 Uhr morgends essen konnte, schob ich es her auf meinem Teller herum und mampfte auf dem Weg zum Dorf lieber ein paar Notfall-Oreo-Kekse, die ich noch in meinem Rucksack gefunden habe.
Was ein Frühstück..


Im Dorf angekommen machte ich mioch an die Arbeit meine getöpferten Werke zu verzieren.
Ich soll sie angeblich nach Phnom Penh geliefert bekommen, wenn sie fertig gebrannt sind. Mal gucken ob sie den Transport unbeschadet überstehen.
Vorsichtshalber habe ich drei schon fertig gebrannte Dinge mitgenommen, um auf der sicheren Seite zu sein.
Bevor wir wieder zum Mittagessen aufbrachen, machten wir noch eine kleine Besichtigung der "Kleinstadt". Die Gegend war wirklich unglaublich schön:

Überall sah man Reisfelder, Kokospalmen und kleine Wasserlöcher.
Wenn wir irgendwo angehalten haben, wurden wir sofort von den Menschen dort angesprochen, ob wir nicht zusammen mit ihnen am Straßenrand zu mittag essen wollten.
Überall wurde man freundlich empfangen, ganz nach dem Motto "was mein ist, ist auch dein". Als Dank spendete Sython für den dortigen tempel und wurde gleich mit einer Art Gesang gesegnet oder sowas.
Dann ging es zurück ins Guest House und keine 3 Stunden nach dem "Frühstück" stand auch schon wieder Lunch auf dem Plan.
Ich habe keine Ahnung wie Sython den ganzen Tag essen kann – und er hatte im Dorf sogar noch einen kleinen Snack!
Ich dagegen trank meine Cola und hatte meine Kekse, für den Fall doch noch hungrig zu werden.

Die Rückfahrt verlief ohne Probleme: Der Bus hörte sich besser an & die Klimaanlage funktionierte, dafür waren die Sitze allesamt schrottig und man durfte sich nicht zu viel bewegen, sonst wäre einem der Sitz auseinander gefallen.
Das gehört wohl zum kambodschanischen Lifestyle: Solange es nicht ganz kaputt ist, kann man es doch nocht verwenden. Passt schon irgendwie!


Ich habe jetzt erstmal ein 3 Tage Wochenende, weil der 09.11. Independence Day ist.

Bis jetzt habe ich noch keine Pläne & alle meine Mitbewohner sind ausgeflogen.
Ich bin gespannt was sich so ergibt. Hoffentlich finden sich andere Menschen, die Lust auf eine Unternehmung haben, weil ich nicht sonderlich erpicht darauf bin im Alleingang irgendwelche Dinge zu besichtigen..


Ich vermisse euch schrecklich und schicke euch etwas von der Wärme ins kalte Deutschland! ♥

8.11.12 13:59
 


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